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Verantwortlich für diese Seite:
Frank Linde
Vorstandsvorsitzender

Ernst-Michael-Kranich-Stiftung

1.088 Seiten, 3 Leineneinbände im Schuber

ISBN: 9783990530016

€ 69,– 

 

Erhältlich bei: 

• Edition Kunstschrift im Residenz Verlag

www.residenzverlag.com/?search=auferstehung

Tel. +43 (0) 2742 802-1415 

• Amazon.de 

• Im gut sortierten Buchhandel

Gestaltung Buch und Website:
Studio Lierl GmbH, Karl Lierl

A U F E R S T E H U N G

 

Die Auferstehung im Werk Rudolf Steiners 
Band I und II (zusammen 725 Seiten) 

Zeitreisen und Phantom – eine kritische Analyse 
Band III (316 Seiten) 

Die Auferstehung im Werk Rudolf Steiners

 

Aus dem Inhalt Band 1:

  • Christus-Erkenntnis in den Grundschriften

  • der Anthroposophie

  • Christus und Jesus – Von der Menschwerdung

  • Gottes zur Gottwerdung des Menschen

  • Christus ist der Geist der Erde

  • Auferstehung und Phantom

  • Vom Urbild zur Urform - Die Schöpfung

  • des Menschen: Tierkreis, Weltenwort, Christus

  • Christus und die nathanische Seele

  • Die universelle Bedeutung der Auferstehung

  • Entwicklung des Leibes und der Seele

  • Die Erscheinungen des Auferstandenen in den

  • 40 Tagen von Ostern bis Himmelfahrt

  • Himmelfahrt und Pfingsten – Wahrbilder für die

 

 

Aus dem Inhalt Band 2:

  • Auferstehung im 20. Jahrhundert:

  • Das Wiedererscheinen Christis im Ätherischen

  • Auferstehung und soziale Frage

  • Die Auferstehung des Menschen:

  • Vom Leben zwischen Tod und neuer Geburt

  • Die Entwicklungsgestalt des Menschen

  • Auferstehung im Jahreslauf

  • Michael, Christus, Ahriman

  • Die Auferstehung der Toten

  • Auf dem Weg zum Geistesmenschen

  • Die Auferstehung Christi und des Menschen

  • Die Auferstehung nach den Evangelien

  • Auferstehung und Mensch nach der katholischen Kirche

  • Was heißt „Auferstehungsleib“

 

Zeitreisen und Phantom – eine kritische Analyse

Aus dem Inhalt Band 3:

  • „Und wäre Er nicht auferstanden ...“:

  • Zeitreisen nach Golgatha – Das Phantom-Bild bei Peter Tradowsky und Judith von Halle

  • „Rudolf Steiner, Edith Maryon und die Christus-Plastik“ – Sorath und Antichrist

  • „Die Christus-Begegnung der Gegenwart“ und der Schulungsweg der Anthroposophie

  • Der christliche und der christlich-rosenkreuzerische Einweihungsweg

    Michael-Schule und Rosenkreuzertum

    Luzifer als Verführer, Ahriman als Lügengeist

  • Helmut Kiene: „Phantomleib, Stigmatisation und Geistesforschung“.

  • Johannes-Taufe im Jordan, Auferweckung des Lazarus

    Keine Übereinstimmung zwischen v. Halle

    und Rudolf Steiner

    Das Phantom als fünftes Wesensglied des Menschen?

     

Band 1 & 2
Die Auferstehung im Werk Rudolf Steiners


In der Auferstehung liegt der Sinn des Lebens. Denn das Leben wäre sinnlos, wenn es dem Tod erliegen würde. Das Verständnis der Auferstehung wird daher zur Erkenntnisaufgabe für jeden Menschen, dem die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht gleichgültig ist. Dieses Buch ist ein Wegweiser zu den geistigen Quellen, die Antwort auf diese Frage geben.
                     
Der Untersuchung liegt die Anthroposophie Rudolf Steiners zugrunde. In ihr sind die wissenschaftlichen Methoden, Erkenntnisgrundlagen und Forschungs-ergebnisse enthalten, die einen dem modernen Bewusstsein entsprechenden Zugang zur Frage der Auferstehung und damit dem wichtigsten Ereignis der Menschheitsentwicklung bieten: dem Christus-Ereignis.

Das Buch entfaltet das Thema anhand zentraler Quellentexte aus dem Werk Rudolf Steiners. Es wendet sich an alle Menschen, die einen Zugang zur Frage der Auferstehung suchen oder ihr Verständnis dieser Frage vertiefen möchten.

Band 3
Zeitreisen und Phantom  –  Eine kritische Analyse


Der dritte Band bietet eine kritische Analyse ausgewählter Arbeiten Judith v. Halles.

Mit einer Reihe von Publikationen möchte v. Halle der Öffentlichkeit und insbesondere der Anthroposophischen Gesellschaft auf völlig neue Art und Weise das Zentral-ereignis der Menschheitsentwicklung, das Mysterium von Golgatha, nahebringen.

Nie zuvor ist in der anthroposophischen Öffentlichkeit ein Mensch aufgetreten, der von sich behauptet hat, die historischen Tatsachen und Ereignisse um Jesus Christus in der Zeitenwende durch eigenes „sinnliches Miterleben“ wahrnehmen zu können und „selbst ein lebendiges Zeugnis“ für die Tat des Gottessohnes zu sein.

Weil v. Halle ihr Anliegen in der anthroposophischen Öffentlichkeit ausbreitet und den Anspruch erhebt, Geistesforschung zu betreiben, ist diese Gesellschaft aufgerufen, sich mit ihr und Autoren, die sie stützen, auseinanderzusetzen. Diese Schrift ist ein Beitrag  zu dieser Auseinandersetzung.

Vorwort von Lorenzo Ravagli

Der Tod Gottes und seine Auferstehung, die Auferstehung der Toten am Tag des Jüngsten Gerichts – zentrale Glaubensinhalte des Christentums als Gegenstände empirischer Forschung? Was im Rahmen der religiösen Traditionen – ebenso wie im Rahmen der institutionali-

sierten Wissenschaften – unmöglich, ja absurd erscheint: für die Anthroposophie scheint es weder absurd noch unmöglich. 

Die Vorstellung, dass die Auferstehung absurd sei, ist nicht neu. Der christliche Apologet Tertullian schrieb zu Beginn des dritten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung: „Gestorben ist Gottes Sohn; es ist glaubhaft, weil es absurd ist. Und begraben, ist er auferstanden: es ist gewiss, weil es unmöglich ist.“ Was von Tertullian als Plädoyer für den Glauben gemeint war, genügte den gestiegenen intellektuellen Ansprüchen des Mittelalters nicht mehr. Einer der Begründer der Scholastik, Anselm von Canterbury, glaubte durch logische Gründe beweisen zu können, warum Gott Mensch werden, sterben und auferstehen musste. Der durch seine Argumentation erreichte Standard der Rationalität galt mehrere Jahrhunderte als vorbildlich. In der Aufklärung jedoch griffen Agnostiker und Atheisten Tertullians Gedanken wieder auf und wendeten ihn gegen die Offenbarung: „Ein Wunder wie die Auferstehung ist nicht möglich, weil es mit den Natur­gesetzen nicht vereinbar ist.“ Ihre Überzeu-gungskraft verdankte die aufklärerische Kritik an der Religion – wie die These zeigt – nicht der rationalen Auseinandersetzung mit Anselms Argumenten, sondern der Tatsache, dass sie propagandistisch ein anderes Paradigma der Rationalität etab­lierte: das der sinnes-gestützten Empirie. Mit Anselm könnte man der Aufklärung entgegnen, die Erwartung sei absurd, etwas mit den Sinnen beobachten zu können, was seiner Natur nach den Sinnen entzogen ist. Erst Kant, der Vollender der Aufklärung, glaubte beweisen zu können, dass die menschliche Vernunft aufgrund ihrer Beschaffenheit nicht imstande sei, etwas zu begreifen, was die Grenzen ihres Vermögens übersteige. Aber er kehrte gleichzeitig zu Tertullians These zurück und erklärte die Inhalte der Religion zu Postulaten der praktischen Vernunft: Der Mensch muss an die Unsterblichkeit der Seele und die Existenz Gottes glauben dürfen, sonst hat sein Leben keinen Sinn.

Vom Glauben zum Wissen führt der Weg der Wissenschaft. Dass die Auferstehung eine empirische Tatsache, dass sie für die Vernunft begreifbar und wissenschaftlich erforschbar ist, lehrt das Werk Rudolf Steiners. Man muss sich allerdings auf seine erweiterte Wissenschaftslogik einlassen. Man darf nicht reduktionistisch voraussetzen, nur das sinnlich Wahrnehmbare sei wirklich, seinen Blick nicht vor der Tatsache verschließen, dass, wer dies behauptet, bereits die Existenz einer nicht-sinnlichen Tatsache beweist – die eines denkenden Wesens nämlich, das seine eigene Existenz verneint. Wer sich hingegen durch die Beobachtung dieser Tat­sache von der Realität des Geistigen überzeugen kann – wird er durch sie doch seines eigenen geistigen Wesens gewahr –, wird in ihr eine Brücke zur Anthroposophie als Geisteswissenschaft finden. Denkbar werden ihm geistige Beobachtungs-inhalte, die ihm so wie sein eigenes Denken erscheinen, deren Inhalt aber nicht sein im Denken tätiges Ich, sondern andere Tätigkeitswesen sind. Solche Tätigkeits-wesen bezeichnet die Anthroposophie mit spezifischen Ausdrücken, wie zum Beispiel „Ätherleib“, „Astralleib“, „Angelos“ oder „Archangelos“. Wenn wir die Beobach-tungsfähigkeit, die wir an unserer eigenen Denktätigkeit schulen, erkraften und erweitern, geraten solche Tätigkeitswesen in den Blick. Für das alltägliche Bewusstsein sind sie unwahrnehmbar, weil sie nicht sinnlich sind. Die erweiterte Beobachtungsfähigkeit vermag aber nicht nur sinnlich Gestaltetes anzuschauen, sondern auch das übersinnlich Gestal­tende. Allem Gestalteten liegt ein Gestaltendes, allem Gewordenen ein Werdendes zugrunde, dessen Erscheinungsform das Gewordene ist. Von Dauer ist nicht das Gewordene und Gestaltete, sondern das Ungewordene, Gestaltende. Der Beobachtung eröffnen sich so neue Dimensionen der Wirklichkeit, jenseits der Grenzen, an denen das auf die Sinne ge­stützte Alltagsbewusstsein stehenbleiben muss: jenseits der Schwelle der gewöhnlichen Wahrnehmung, jenseits des Einschlafens, jenseits der Geburt, jenseits des Todes, jenseits der Gegenwart. Die sinnliche Wahrneh-mungswelt erscheint zunehmend als das, was sie ist: als Produkt schöpferischer Tätigkeitswesen, die sich im Produzierten, im Gewor­denen verbergen und zugleich offenbaren. Das Leben, die Seele, das Bewusstsein werden zu beobachtbaren geistigen Entitäten, deren Beschaffenheit und gesetzmäßige Entwicklung systematisch erforscht werden kann.

Das Werk Rudolf Steiners ist ein umfassender Forschungsbericht, der sich nicht mit der Welt des Gewordenen, sondern mit jener Welt befasst, die dem Gewordenen zugrunde liegt. In ihm nimmt die Wirklichkeit eine andere, sinnerfüllte Gestalt an. Wird der Blick erst einmal auf jene gestaltbildenden Vorgänge gerichtet, die sich der gewöhnlichen Beobachtung entziehen, wird das Vergängliche zu einer Erscheinungsform des Unver-gänglichen. Die Auferstehung erscheint dann nicht mehr als die Erscheinung eines Gewordenen, das der Vergangenheit angehört, sondern als die Erscheinung der tätigen Gestaltungskräfte, die allem Werdenden seine Gestalt geben. Das Leben erneuert sich nicht aus dem Vergäng­lichen, sondern aus dem ewigen Quell des Werdens, der sich in die sichtbare Welt ausgegossen hat, um ihm seine eigene Gestalt aufzuprägen. 

Ein Kapitel im Forschungstagebuch der Anthroposophie trägt den Titel „spirituelle Anthropologie“. Die spirituelle Anthropologie erforscht die geistigen Gestaltungskräfte, die der Entstehung und gesetzmäßigen Entwicklung des menschlichen Leibes zugrunde liegen. Die spirituelle Anthropologie erweitert den Blick der physischen Anthropologie in ungeahnte Dimensionen. Ist doch der gesamte Kosmos nötig, um den menschlichen Leib 



hervorzubringen, ist seine Geschichte doch zugleich die Geschichte des Kosmos. Dieser Kosmos aber erscheint dem nicht-reduktionistischen Blick als ein Kosmos geistiger Tätigkeitswesen, deren Sin­-nen und Trachten darauf gerichtet ist, einen Leib hervorzubringen, der imstande ist, eben diesen Kosmos erkennend zu erfassen und sich ihm in Liebe zuzuwenden. Mit anderen Worten: den Menschen zu erschaffen. Denkbar umfassend sind die Bedingungen seiner Existenz, denkbar umfassend seine Geschichte. Denkbar prekär auch sein Dasein inmitten des Flusses der Zeit. Aber das höchste Interesse der Götter gilt dem Menschen. Er ist ihr liebstes Kind. Die religiöse Offenbarung brachte dies auf die Formel vom Menschen als „Bild und Gleichnis Gottes“. Was aber, wenn dieses Bild und Gleichnis gefährdet ist? Dann werden die Götter alles unternehmen, um es zu schützen und am Dasein zu erhalten. Dann wird der, dessen Bild und Gleichnis der Mensch ist, selbst davor nicht zurückschrecken, Mensch zu werden, um durch das größte aller Opfer dieses Bild und Gleichnis wieder herzustellen, und jene Zukunft zu ermöglichen, die dem Menschen zugedacht ist: ein Gott unter Göttern zu werden. Die Anthropologie, die sich mit diesen Fragen befasst, wird unweigerlich zur Christologie, die Theosophie zur Anthroposophie. Denn der Mensch ist eine Epiphanie seines Schöpfers, dazu geboren, diesen Schöpfer durch sich selbst zur Erscheinung zu bringen. 

Frank Linde hat es auf sich genommen, den unbearbeiteten Forschungsbericht Rudolf Steiners über die Geschichte des menschlichen Leibes, seine Entstehung, seine Gefährdung und Heilung, unter dem angedeuteten Gesichtspunkt systematisch aufzuarbeiten. Zustande ge-kommen ist eine Monografie zu Rudolf Steiners Verständnis der Auferstehung, die es in dieser Form bisher nicht gegeben hat. Wie bei vielem anderen, zeigt sich auch hier, dass diese Frage nicht untersucht, geschweige denn, beantwortet werden kann, ohne dass das Ganze der Anthroposophie in die Untersuchung mit einbezogen wird. Von neuem wird auch an diesem Thema deutlich, dass die Darstellungen der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, gleichgültig, an welcher Stelle man mit ihnen in Berührung kommt, ein in sich logisches Gewebe komplexer begrifflicher Beziehungen sind, dessen Teile sich gegenseitig stützen, begründen und erläutern. Von welcher Fragestellung man auch ausgeht, man wird durch sie zum Ganzen, in ein Netz selbstevidenter Ideen geführt, die zwar auf vieles eine Antwort geben, aber mit jeder Antwort zugleich neue Fragen aufwerfen. Die Darstellungen der Geisteswissenschaft spannen jedoch nicht nur ein Netz logischer Beziehungen aus, sondern binden in dieses Netz auch eine Fülle von empirischen Beobachtungen ein, in welchen jene Beziehungen verankert sind. Diese Beobachtungen sind zwar nicht logisch deduzierbar, aber logisch begreiflich. Beide zusammen – die Beobachtungen und die zwischen ihnen gestifteten Beziehungen – ergeben erst das erweiterte Wirklichkeitsbild der Anthroposophie. Und diese Erweiterung ist in der Tat geeignet, in die Diskussion über religiöse Themen ein neues wissenschaftliches Paradigma einzuführen, ja diese Diskussion erst zu ermöglichen. Denn sie führt dazu, dass das, was einst absurd erschien, nunmehr als vernünftig erscheint. Die Auferstehung muss nicht mehr geglaubt, sie kann verstanden werden. Damit holt die anthroposophische Geisteswissenschaft die aus der abendländischen Kultur verdrängten Erkenntnisinhalte wieder in diese zurück und vermag diese Kultur, die an der Verdrängung des Metaphysischen leidet, zu heilen. 

Das Kapitel der spirituellen Anthropologie im Forschungsbericht der Anthroposophie ist – dem Charakter eines solchen entsprechend – keineswegs abgeschlossen, sondern nach allen Seiten offen. Die hier vorgelegte Zusammenschau seiner Befunde, seiner Fragestellungen und Themen stellt hohe Anforderungen an die Leser. Aber diese Anforderungen sind keine anderen als die, welche die Anthroposophie als Geisteswissenschaft an jene stellt, die sich mit ihr beschäftigen. Mindestens das Verständnis ihrer Grundbegriffe wird vorausgesetzt. Die vorliegende Arbeit richtet sich nicht an die ersten Semester, sondern an die Fortgeschrittenen. Und möge sie auch denkbar umfassend sein, so beantwortet sie doch keineswegs alle offenen Fragen. Diese Fragen müssen weitergedacht und das 
in Umrissen erstmals gezeichnete Bild von der künftigen Forschung vervollständigt werden.

Lindes Untersuchung macht deutlich, dass das menschliche Geist­wesen durch seine lange Entwicklungsgeschichte hindurch immer auf seinen Leib bezogen ist, einen Leib, der vielfältigen Wandlungen unterliegt, die sowohl Bedingung als auch Folge der Wandlungen des Geistes sind. Der manchmal gegen die Anthroposophie und die von ihr empirisch bestätigte Reinkarnation erhobene Vorwurf, sie werte den Leib ab, wird durch die vorliegende Untersuchung ein für allemal ad absurdum geführt. Die Wiederverkörperung des Geistes ist eine denknotwendige Folge der Auferstehung Christi. Die Abhandlung bietet darüber hinaus überzeu­gende Deutungen für eine Reihe von Grundbegriffen und Forschungs­befunden der Anthroposophie, die nicht der Willkür des Autors, sondern einem „close reading“ der Quellentexte entspringen. Diese Deutungen betreffen die Auferstehung, die nicht nur der Angelpunkt der planeta-rischen Geschichte der Menschheit, sondern auch ein Geschehen ist, das in jedem einzelnen Menschen bis ans „Ende aller Tage“ fortdauert; das „Phantom“ des physischen Leibes, dessen zentrale Stellung im Werk Rudolf Steiners hier erstmals systematisch untersucht und beleuchtet wird; die unterschiedlichen Erscheinungen des Auferstandenen, die als Ausdruck einer wechselseitigen Beziehung verständlich werden, in der sich der Mensch und das Göttliche in immer neuen Formen begegnen; schließlich die Anthroposophie selbst, die sich als eine Form moderner Esoterik zu erkennen gibt, deren allgegenwärtiger Bezugspunkt, deren offenbares Zentrum der Auferstandene als Ermöglichungsgrund menschlicher Freiheit und Liebe ist. 

Die vorliegenden Bände, die sich mit dem Verständnis der Auferstehung im Werk Rudolf Steiners befassen, sind der erste Teil einer dreibändigen Untersuchung. Der dritte Band tritt in einen kritischen Diskurs mit anderen Publikationen ein, die in den letzten Jahren zu diesem und verwandten Themen erschienen sind. Die ersten beiden Bände bilden die Grundlage und Voraussetzung des dritten. Man wird sich an dem durch den dritten Band begonnenen Diskurs nicht beteiligen können, wenn man sich nicht die Grundlagen, die die ersten beiden schaffen, zu eigen gemacht hat.

Rezension von Roland Tüscher, in: Ein Nachrichtenblatt – Für Mitglieder und Freunde der Allgemeinen Anthroposophsichen Gesellschaft, 5. Jahrgang, Nr. 15, 26.7.2015

Die in der Anthroposophischen Gesellschaft schwelende Kontroverse um «Zeitreisen» wird in der vorliegenden Neuerscheinung auf ein höheres Niveau gehoben. Der Begriff der «Geistesforschung» in der Wissenschafts-auffassung Rudolf Steiners zeigt sich, das lässt sich zusammenfassend sagen, als mit dem Begriff von «Zeitreisen als Geistesforschung» nicht vereinbar. Frank Linde legt eine Arbeit vor, welche die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft von kompetenten Repräsentanten der Anthroposophie erwartet hatten und was sachgemäss – auch gegenüber der Öffentlichkeit – gefordert war: Eine Persönlichkeit tritt innerhalb der Gesellschaft auf, bezieht ihr Wirken ausdrücklich auf diese, führt eine neue Form von «Geisteswissenschaft» ein, behauptet deren Identität mit der Auffassung Rudolf Steiners und fügt angeblich «neue anthroposophische Erkenntnisse» zu den bestehenden hinzu. Zu dieser Behauptung entsteht eine Kontroverse, die im Publikum von emotionalen Lebensäusserungen begleitet ist; die Leitung der Gesellschaft wendet sich einer Moderation der Emotionen zu und unterlässt auch nur die Aufforderung zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung, geschweige dass sie selber zum Erkenntniswerkzeug, ihrem Kerngeschäft, griffe. Die Leitung der Gesellschaft distanziert sich vielmehr grundsätzlich von der Aufgabe, Erkenntnisse, bzw. geisteswissenschaftliche Urteile zu erarbeiten und in die Repräsentanz der Anthroposophie einzubeziehen. Dadurch wurde den schwelenden Fragen Raum geboten – und der Raum wurde genutzt. Diesem Raum ist mit dem vorliegenden Werk der Boden in wesentlichsten und zentralsten Fragestellungen entzogen. Zugleich werden klare Grundlinien des Verhältnisses zwischen «Zeitreisen» und «anthroposophischer Geistesforschung» sichtbar. 

«Auferstehungsleib» – «Phantomleib» 
Der Autor zeigt, dass das in der anthroposophischen Bewegung seit den 1940er Jahren verwendete Wort «Auferstehungsleib» in der Gesamtausgabe der Werke Rudolf Steiners nicht vorkommt. Der Begriff wurde zuerst vermutlich von Emil Bock (ab 1946), dann von Friedrich Benesch, Andrew Welburn, Judith von Halle, Peter Tradowsky und Helmut Kiene sowie von Sergej Prokofieff und Johannes W. Rohen verwendet. Die Formulierung ist katholischen Ursprungs (Bd.II, S.674). Das Wort «Phantomleib», aber auch die Aussage von dessen Identität mit dem «Auferstehungsleib» wie Judith von Halle Rudolf Steiner zuschreibt (im selben Sinne Peter Tradowsky und Helmut Kiene), stammt ebenfalls nicht von Rudolf Steiner (Bd.III, S.46) 

Grundlagenwerk zur Auferstehung 
Frank Linde arbeitet diese Begriffe durch und erläutert deren Herkunft und Entstehung, deren spezifische Bezüge und differenzierte Schichten. Dazu legt er in Band I. und II. auf über 700 Seiten eine wohldurchstrukturierte und ausführliche Zusammenschau von Darstellungen Rudolf Steiners vor, welche den soliden Hintergrund seiner kritischen Analyse bilden – aber nicht nur. Es handelt sich hier um eine eigenständige, in einer 40-jährigen Beschäftigung entstandene Aufarbeitung des Themas «Auferstehung» im Werk Rudolf Steiners. Frank Linde geht es darum, die Auferstehung als ein ganzheitliches Geschehen sichtbar zu machen – der Leib des Christus nach der Auferstehung ist die ganze Erde (ihr physischer Leib, der Lebensleib und Seelenleib und das Ich der Erde; eben gerade nicht «Phantom»). Auch die Bedeutung und die Wirkung der Auferstehung für den Menschen wird ganzheitlich behandelt: für seinen physischen Leib (Phantom), den Ätherleib, Astralleib und das Ich. Dann bieten sie Texte zur Auferstehung Christi im 20. Jahrhundert und im Sozialen. Große Kapitel behandeln schließlich den Ursprung und das Ziel des Leibes und der Seele und des Geistes des Menschen. Es geht um die Auferstehung nach dem Tod und die Auferstehung am Ende der Zeiten. So sind Band I. und II. ein Grundlagen-werk, das Bestand haben wird, auch über die aktuelle Auseinandersetzung in Band III. hinaus und greifen auf, was Rudolf Steiner zu dieser Frage zu sagen hat. 
 





Schulungsweg, Zeitreisen, … 
Wer sich mit dem Werk Judith von Halles befasst, sieht auf eine generell erzählend-bildhafte, intelligent aufbereitete und mitunter kenntnisreiche Darstellung mit einer weniger umfassenden und häufig ganz fehlenden begrifflichen Durcharbeitung. Frank Lindes detailreiche Untersuchungen machen das methodisch und inhaltlich zum Teil Unzu-reichende und zum Teil auch Fehlerhafte dieses Aspekts ihrer Arbeiten an vielen Beispielen deutlich. Besonders tritt dies an deren begrifflicher Durcharbeitung des anthroposo-phischen Schulungsweges hervor, welche praktisch komplett wegfällt. Wie sie aus ihren Erlebnissen zu ihren Erkenntnis-sen kommt und warum auf eine begriffliche Herleitung und Vertiefung verzichtet wird, ist und bleibt dunkel und alle Erklärungen, warum das so sein müsse, vermögen nicht zu überzeugen. Ihre Bezugnahme auf Schulungsweg-Dar-stellungen Rudolf Steiners erweisen sich zudem als einseitig auf veraltete Schulungswege fixiert. Darüber hinaus widmet Frank Linde seine kritische Analyse auch der Verteidigungs-schrift Helmut Kienes, «Phantomleib, Stigmatisation und Geistesforschung. Judith von Halle und die anthroposo-phische Christologie». Linde kennzeichnet offene Fragen und selektives Zitieren, korrigiert eine Kritik die Kiene Peter Selg gegenüber vorgebracht hat, stellt richtig, dass das Phantom nicht als «fünftes Wesensglied» zu betrachten ist, u.a.m. 

Stil und Wirkung 
Die Auseinandersetzungen um den ganzen damit verbundenen Phänomen- und Symptomenkomplex werden von Frank Linde nicht als Anti-von-Halle-Beitrag aufgebaut. Ich habe in der gesamten Auseinandersetzung dazu keinen einzigen emotionalen Misston gefunden. Die Arbeit ist nicht nur sachlich gründlich, sondern auch im Stil freilassend und offenbart in der produktiven Zurückhaltung des Persönlichen umso mehr die zwischen den Zeilen auflebende innere, individuelle Sprache des Autors. Seine vollständig sach-bezogene Forschungshaltung ermöglicht es ihm daher auch, in Arbeiten von Sergej Prokofieff zu hinterfragende Interpretationsmuster zu erkennen und ihm Überlegungen nachzuweisen, die Denkversuche sind, jedoch im Text nicht als solche kenntlich gemacht sind. Sie sind begrifflich nicht hergeleitet und müssen daher als Vermutungen gekenn-zeichnet werden. Vermutungen, die in Kombination auch Irrtümer zeigen (Bd.II, S.680 f.). – Wenn es noch “Anhänger“ der beiden Lager Prokofieff/von Halle gibt, dann können diese Lager jetzt aufgelöst werden. Es geht eben doch, allen modischen Sozialtechniken und allen emotionalen Gruppen-bildungen entgegen, in erster Linie um Erkenntnis der vorliegenden Sachverhalte und erst dann, falls noch nötig, um Mediation in Konfliktlagern. Durchblick, Erkenntnis wirkt sozial – auch das kann man an dem Werk von Frank Linde deutlich sehen. Soziale Verwerfungen unter Konfliktpartnern beruhen nicht zuletzt auf nicht hinreichend durchgearbeit-eten unterschiedlichen Vorstellungen und Intentionen. Mithin: Wer diese nicht erkennen will, der wirkt antisozial. 

Glauben, Glauben und nochmals Glauben … 
Als Summe der Lektüre kann, am angedeuteten Aufwachen für die elementare Kraft des Erkennens, auch dies gezogen werden: Zu einer der Konstanten des Wirkens von Judith von Halle gehört, die Anthroposophie in den Formen anthroposo-phisch – geisteswissenschaftlicher Wortformulierungen und unausgesprochen in der Haltung blossen Glaubens darzustellen. Anderslautende Beteuerungen halten einer Prüfung nicht stand. Es liegt in der Art der Darstellung eine Identität mit gewissen anderen wohlbekannten Glaubens-Impulsen vor. Jener Stil hat in der Repräsentanz der Anthroposophie nichts zu suchen. Um Missverständnisse zu meiden: Menschen jeden Glaubens sind in der Anthroposo-phischen Gesellschaft willkommen, wie jeder Vertreter anderer Überzeugungsrichtungen auch. Nicht um ein Einschwören auf bestimmte Erkenntnisse geht es in der Anthroposophischen Gesellschaft. – Die Anthroposophie jedoch ist nicht Glaubens-Impuls, nicht im Geringsten, auch nicht im Stil ihrer Vertretung. Sie betreibt nicht eine Freie Hochschule für Glaubens-Wissenschaft und ihr liegt methodisch auch keine Glaubenswissenschaft oder Schauerlebnis-Wissenschaft, sondern eine eigenständige Erkenntniswissenschaft zugrunde. Und so ist auch Judith von Halle, gleichgültig welcher Überzeugung sie ist, in der Anthroposophischen Gesellschaft willkommen. – Die Anthroposophische Geistesforschung ist jedoch nicht «Zeitreisen-Forschung«, nicht im Geringsten, auch nicht im Stil ihrer Vertretung. Und die Repräsentanz der Anthroposo-phie appelliert, wenn man es so ausdrücken darf, an das Erkennen des Geistes, nicht an die intelligente Interpretation von eigenen und fremden Geisterlebnissen und vor allem nicht an den Glauben. Klärende Grundlagen dazu und zu vielem mehr bietet die Arbeit von Frank Linde. Ihr ist eine weite Verbreitung und eine intensive Aufnahme zu wünschen. 

Frank Linde

geb. 1956 in Flensburg. Studium der Mathematik, Musik und Erziehungswissenschaften. Ausbildung an der Freien Hochschule Stuttgart, Seminar für Waldorfpädagogik bei Dr. Ernst Michael Kranich. Klassenlehrer an Waldorfschulen in Rendsburg und Tübingen. Seit 1990 in der Ausbildung von Waldorf­erziehern tätig, Leitung des Waldorferzieher­seminars in Kiel. Mitglied im Verfahrenskreis der Stiftung „Wege zur Qualität“, verantwortliche Mit­arbeit bei der Schulung, Umsetzung und Evaluation der Qualitätsentwicklung in Einrichtungen der Selbstverwaltung.

Mitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, der Ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum und der Christengemeinschaft. Veröffentlichungen zu anthroposophischen Themen u.a. über die Erscheinung des Christus im Ätherischen, den anthroposophischen Schulungsweg, Reinkarnation und Karma, die Impulse des Bösen, Christus und die Liebe. Ausgedehnte Vortrags- und Seminartätigkeit.

2008 Gründung der Ernst-Michael-Kranich-Stiftung, Förderstiftung für Pädagogik, Kunst und Wissenschaft. Die Stiftung ist tätig für Einrichtungen der Waldorfpädagogik, der Anthroposophie und der goetheanistischen Forschung.

1.088 Seiten

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